Offener Brief der Ruhrpottpiratten an die SPM

25.04.2012

Liebe Sankt Pauli Mafia NRW,
trotz aller Differenzen in der Vergangenheit, unterschiedlichen Zielen und Orientierung in der Fanszene haben wir bisher immer Eure Fähigkeit und Euren Willen versprengten Anhängern unseres magischen FC eine Bezugsgruppe zu sein und Euer Engagement geschätzt.

Euer Bericht über die Geschehnisse vor dem Heimspiel gegen den FC Union Berlin am 10. April (zu finden unter http://sanktpaulimafia.blogsport.de/2012/04/15/was-vom-tage-uebrig-blieb-scheiss-union/) jedoch, hat uns schockiert und auch befremdet. Ihr wurdet von Anhängern des FC Union angegriffen und verletzt und Euch wurden Fanutensilien entwendet. Das ist schlimm und eine, in unseren Augen, völlig unnötige Aktion. Auch die Feigheit eines Angriffs in, wie Ihr schildert, fünffacher Übermacht finden wir verwerflich und hirnlos.

Geschockt waren wir allerdings nicht von dem Verhalten einzelner Anhänger von Union, sondern von Eurer Reaktion. Ihr rechtfertigt Euch dafür, dass Ihr den Kampf verloren habt und brüstet Euch damit, den Angreifern, trotz deren zahlenmäßiger Überlegenheit, Treffer beigebracht zu haben.

“Als die Boxerei dann los ging durfte sich jeder mit 3-4 Leuten gleichzeitig beschäftigen, während 3 Leute das Material schützten. Klar, dass man dann kassiert, aber ganz ohne Treffer für die Heldentruppe von Union ging es nicht ab!”

Im weiteren Verlauf kritisiert Ihr das Verhalten der, wie ihr Sie nennt, ‘Unionsspacken’, ob der Tatsache, dass sie Euch in Überzahl überfallen haben und Euch dann noch nicht einmal all Eure Utensilien abgenommen haben. Während der erste Punkt eine völlig gerechtfertigte Kritik an dem Verhalten der Union Fans darstellt, gleitet der zweite Punkt schon in Richtung eines vorpubertären Schwanzvergleichs ab und liegt damit auf einer ähnlichen Linie wie die oben zitierte Passage: Ihr wurdet angegriffen, habt Euch aber heldenhaft verteidigt und irgendwie auch gewonnen, da ihr trotz des Angriffs Eure Fahnen nicht verloren habt. Ob das nun daran lag, dass die Unioner – so wie es bei Euch anklingt – aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage waren Eure Fahnen zu entwenden oder ob sie sich schlicht und einfach nicht für diese Fahnen interessierten, sei dahin gestellt. Das betrifft die Motivlage der Union Fans, in die wir uns weder hineinversetzen wollen noch können. Was uns jedoch bitter aufstößt ist Eure Interpretation. Sehen wir das richtig, dass Ihr den Berlinern in einer ähnlichen Situation natürlich all ihre Fahnen und Schals abgenommen hättet, anstatt Euch mit der lausigen Beute in Form von einer Mütze (‘ohne Button oder Emblem’) und einem Schal zufriedenzugeben? Aber Moment. Stopp. Das kann ja gar nicht sein. Dieser hirnlosen Abzieherei von Schals und Fahnen und die Wertung von Auseinandersetzungen nach Punkten, steht Ihr, als aktiver und offizieller Fanclub des FC St. Pauli, doch genauso kritisch gegenüber wie wir. Gleiches gilt – so sollte man vermuten – für sinnlose körperliche Auseinandersetzungen mit Fangruppen anderer Vereine. Unter ‘sinnlos’ verstehen wir hier solche Auseinandersetzungen, die lediglich darauf abzielen seine Stärke oder Überlegenheit zu demonstrieren oder sich für zuvor widerfahrenes Unrecht zu rächen. Schließlich habt Ihr, genau wie wir und jeder andere Fanclub unseres wunderschönen Vereins mit Eurer Gründung, dem Selbstverständnis der eingetragenen Fanclubs – zu finden auf den Seiten des Fanclubsprecherrates (http://www.fanclubsprecherrat.de)– zugestimmt und dort heiß es unter Punkt fünf:

“Die Fanclubs wenden sich gegen jede Form der Diskriminierung von Menschen und gegen jede Form von Rassismus, Sexismus und Hooliganismus, ferner gegen jegliche Art der Verächtlichmachung und Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Vorlieben und Neigungen.”

Wir sind uns nicht sicher ob die Einstellung, die Ihr in dem genannten Spielbericht offenbart, mit diesem Einverständnis in Einklang zu bringen ist. So schließt Ihr in Eurer Darstellung der Ereignisse, nach einer weiteren, völlig unnötigen Rechtfertigung Eurer Unterlegenheit, mit der folgenden Passage:

“Tatsache ist: wäre eure Truppe auf eine gleich große Gruppe von uns gestoßen, hättet ihr kräftig kassiert und nichts klauen können! Ihr Möchtegern-Nazi-Hool-Scheißer! Und so wie es aussieht, sehen wir uns nächste Saison wieder.”

Nach Lektüre des Berichtes im Allgemeinen und dieses Abschnitts mit seinem letzten Satz im speziellen, drängt sich uns die Frage auf, ob ihr Euch auf einem anderen Niveau bewegt als die ‘Möchtegern-Nazi-Hool-Scheißer’, denen Ihr hier offen droht. Um die politische Einstellung der Unioner scheint es Euch, wenn überhaupt, nur nebenbei zu gehen. Zumindest ist nie die Rede davon, dass das der Grund für Eure Drohung ist. Ihr wollt beweisen – den Union Anhängern, Euch selber oder sonst wem – dass ihr nur verloren habt, weil Ihr zahlenmäßig deutlich unterlegen wart. Damit hebt Ihr euch nicht nur nicht von dem hirnlosen Pack, welches Euch angegriffen hat, ab sondern Ihr bewegt Euch auf genau deren Niveau.
Das Prollgehabe, welches Ihr an den oben zitierten Stellen an den Tag legt, hat unserer Meinung nach beim FCSP nichts zu suchen. Nicht umsonst regen wir uns über genau solch ein Verhalten auf, wenn es uns bei Zusammentreffen mit Mitgliedern anderer Fanszenen begegnet.

Um die eingangs genutzten Worte aufzugreifen, wir sind befremdet ob Eurer Äußerungen, wir verurteilen Eure Reaktion und die dieser Reaktion zugrundeliegende Einstellung.

Wir schließen mit der Hoffnung, dass Ihr noch einmal in Euch geht und Euch jetzt – nachdem Eure Blessuren verheilt sind und der erste Zorn verraucht ist – kritisch selber hinterfragt. Solltet Ihr jedoch auch weiterhin hinter den, in dem Spielbericht getätigten, Aussagen stehen, distanzieren wir uns deutlich von Euch, denn Prollgehabe und hirnlose Drohungen finden wir nicht in Ordnung.

Wir haben entschieden Euch in Form eines offenen Briefes anzusprechen, da wir finden, dass dies nicht nur Euch und uns etwas angeht. Ihr firmiert unter dem Kürzel ‘SPM NRW’ und suggeriert damit denen, die sich in der Landschaft und Struktur unserer Fanclubs nicht auskennen, dass Ihr die Vertretung der St. Paulianer in NRW seid. Mit Eurem Verhalten schadet Ihr nicht nur Euch, sondern dem Ansehen der ganzen Fanszene, vor allem aber schadet ihr den übrigen Fanclubs aus NRW.

Dieser Brief findet sich auf unserer Homepage unter http://www.ruhrpottpiratten.de und geht in Kopie an den Fanladen und den Fanclubsprecherrat.

Braun weiße Grüße
die Ruhrpottpiratten

Ruhrgebiet, 24. April 2012


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