Auswärts in Dortmund (Spieltag 23)

20.02.2011

Auswärts in Dortmund, also endlich mal ein Heimspiel für die Piratten. Schließlich sind die meisten Piratten im wunderschönen Dortmund beheimatet. Eigentlich sah unser Plan vor, Freitags gemeinsam die Los Fastidios in Hagen zu sehen und uns dann Samstags zum gemeinsamen Katerfrühstück zu treffen. Die Los Fastidios fielen leider aus, also beschränkte sich unsere gemeinsame Aktivität auf den Samstag.
Pünktlich um 12 stand das Essen aufm Tisch – wie bei Muttern. Die friedliche Bier- und Essensaufnahme wurde regelmäßig durch die Türklingel unterbrochen. Einem straffen Zeitplan folgend, wurde um 13:30 Uhr die ganze Truppe zum letzten Klogang vor dem Aufbruch aufgefordert. Hier zeigte sich, dass unseren Gastgebern eindeutig eine zweite Toilette oder ein Dixi-Klo auf dem Balkon fehlt. Fast nämlich wären die Piratten in die Klo-Kreis-Falle getappt. Nun mag sich der ein oder andere vielleicht fragen was zur Hölle eine Klo-Kreis-Falle ist. Die Antwort ist genauso logisch wie die Frage berechtigt. Ein Klo-Kreis beschreibt das Phänomen, wenn die Schlange vor einer Toilette so lang ist, dass sich der erste schon wieder anstellen muss, bevor der letzte in der Schlange die Örtlichkeit aufsuchen konnte.
Ein Klo-Kreis entsteht immer genau dann, wenn drei Faktoren aufeinandertreffen. Erste Bedingung für das Entstehen eines Klo-Kreises ist, dass viele Menschen in geschlossenen Räumlichkeiten gemeinsam harndrangfördernde Substanzen konsumieren. Die zweite Bedingung lautet, dass die Anzahl der verfügbaren Toiletten kleiner sein muss als die Zeit zwischen zwei Klogängen dividiert durch die Dauer eines Klogangs und anschließend geteilt durch die Anzahl der anwesenden Personen x. Legen wir einen Wert von 1,5 Minuten als durchschnittliche Dauer eines Klogangs (PipiDauer) fest und definieren die Zeitspanne zwischen zwei Klogängen als 2 B (B= Bier) und rechnen die Einheit Bier in Zeit um, kommen wir auf 1,5 min PipiDauer und 20 min ZwischenPipiZeit. So kommen wir auf folgende Rechnung, welche die Anzahl der mindestens benötigten Toiletten festlegt.

Die dritte Bedingung, für das Entstehen eines Klo-Kreises und der anschließenden Klo-Kreis-Falle besagt, dass sich der Klorhytmus der Anwesenden synchronisieren muss. Dies geschieht oft durch einen externen Einflussfaktor. In unserem Fall war dieser externe Faktor gegeben, durch die Aufforderung noch einmal die Toilette zu besuchen, bevor wir aufbrechen. Da wir die Anzahl der verfügbaren Toiletten kennen, können wir nun berechnen, wie viele Leute maximal anwesend sein dürfen um das Entstehen eines Klo-Kreis zu vermeiden. Dazu stellen wir die Gleichung nach x um und können anschließend die maximale Anzahl von Personen errechnen, die sich eine Toilette teilen kann ohne dass ein Klo-Kreis entsteht.

Wie die Berechnung zeigt, hätten sich maximal 13,3 Piratten in der Wohnung aufhalten dürfen. Da wir deutlich mehr waren, wären wir fast in die Klo-Kreis-Falle getappt. Eine Klo-Kreis-Falle schnappt genau dann zu, wenn ein Klo-Kreis in einer Aufbruchssituation entsteht. Das heißt, es entsteht ein Klo-Kreis und während alle Personen, schon in Jacke und Schal, darauf warten, dass der letzte Klogänger die Toilette verlässt, spricht einer der ersten Klogänger die gefürchteten Worte: „ Wartet! Ich muss auch eben nochmal schiffen!“
Nimmt die Gruppe auf diese Primanerblase Rücksicht, wird der Aufbruch nie erfolgen und die Gruppe – in diesem Fall die Piratten – könnten nie die Wohnung verlassen und würden noch heute auf den letzten Klogänger warten.
Glücklicherweise sind die Piratten ein disziplinierter Haufen und werden mit strenger Hand geführt, so dass uns dieses Schicksal erspart blieb und wir uns auf den Fußweg in Richtung Westfalenstadion machen konnten. Vor der Haustür zeigte sich dann auch, dass wir deutlich mehr als 13,3 Personen waren. Wir bewältigten den ca. 1,8 km weiten Weg zum Stadion mit lediglich zwei weiteren Pinkelpausen. Beim Sammeln vorm Stadion verloren wir die ersten Leute, weitere dann auf dem Weg zu unserem Block.
In unserem Block standen wir sehr weit außen, jenseits der Seitenauslinie. Dafür war die Sicht in Ordnung, allerdings war es sehr zugig. Beeindruckender Blick auf die Südtribüne und unglaubliche Akustik im Stadion. Akustisch enttäuschte die Süd allerdings über weite Strecken.
Bei uns Bastian Oczipka wieder zurück in der Viererkette, genau wie unser Capitano. Dafür Volzy wieder auf der Bank, Zambrano ja sowieso gelb gesperrt. Oczipka, in der 9. Spielminuten von Götze gefoult, musste in der 12. Minute schon wieder vom Platz und für ihn kam Volzy in die Partie. Unsere Mannschaft hielt tapfer dagegen, auch wenn der BVB deutlich überlegen war. Auf den Rängen stellte sich die Situation eher anders dar. Zahlenmäßig deutlich unterlegen, waren die Sankt Paulianer in der ersten Halbzeit sehr viel deutlicher zu hören als die größte Stehplatztribüne Europas. Es kam, wie es kommen musste, in der 39. Minute gelang dem Ballspielverein in schwarz-gelb der Führungstreffer durch Lucas Barrios. Leider gelang es dem FC St. Pauli nicht, den Anschlusstreffer noch vor der Halbzeitpause zu erzielen. Sowas soll ja psychologisch enorm wichtig sein. Kurz nach der Pause dann wieder nur die Nordtribüne zu hören. In der 48. mal eine Chance für uns nach Freistoß von Takyi. Im Gegenzug dann Tor für den BVB. Auch wenn Norbert Dickel (Denjenigen, die in der Kategorie ‘Dortmunder Fußballmythen- und helden’ nicht bewandert sind, sei hier gesagt, dass Norbert Dickel ein ehemaliger Spieler und Pokalheld und Stadionsprecher der Borussia ist), das Tor Barrios zusprach, war es natürlich Ralle Gunesch, der sich diese Bude auf seine Fahnen schreiben darf. Trotz ein paar schöner Angriffe der Boys in Brown, blieb es beim 2-0 und da wollen wir auch mal nicht meckern. Irgendwann gegen Ende der zweiten Halbzeit erwachte auch die Südtribüne und wurde von der gegenüberliegenden Seite völlig zu Recht mit einem ‘You only sing when you’re winning’ begrüßt.
Nach dem Spiel dann weitere Abendgestaltung in Kleingruppen. Wir waren in der Bahia de Cochinos, unserer Lieblingskneipe im wunderschönen Castrop-Rauxel. Nach zwei Bands und weiteren Bieren, dann irgendwann um 2 Uhr endlich der verdiente Gang ins Bett.

Fazit: Keine Punkte aus Dortmund mitgenommen, dafür Tabellenplatz 11 und 28 Punkte nach 23 Spielen. 6 Punkte aus den letzten 3 Spielen (3 davon gegen die technisch und handwerklich minder begabten Schnuckelchen aus dem Vorort), die Dortmunder Südtribüne in Grund und Boden gesungen – da darf man gegen den souveränen Tabellenführer auch ruhig mal verlieren.
Ansonsten sind wir der Klo-Kreis-Falle entflohen und hatten nen schönen Tag mit Freunden, Fußball und Bier und ein Heimspiel in Dortmund in doppelter Hinsicht. Dieser Tag gehört somit eindeutig in die Kategorie ‘Tage, die es öfter geben sollte’.

Nachtrag:
Aber nächste Saison nehmen wir dann auch diese blöden 3 Punkte mit.

Klugscheißer, die Fehler in der Formel entdecken, dürfen sich hier melden:

Sprich: