Zuhause gegen Köln (Spieltag 20)

6.02.2011

Besondere Umstände erfordern besondere Berichte und das führt in diesem Fall zu einem Spielbericht anlässlich eines Heimspiels.
Samstag morgen, 9 Uhr an einem Bahnhof im Ruhrgebiet: Der erste Zug des heutigen Tages hat Verspätung. Egal, parallel fährt pünktlich ein Regionalexpress, damit ist der Anschluß am nächsten Bahnhof gesichert. Dort warten schon einige Kölner am Gleis. Fans vom FC gibt’s scheinbar wirklich überall – auch in Dortmund. Der Anschlußzug ist pünktlich und es gibt ein Überangebot an freien Plätzen. Irgendwie sind wir noch müde und platzieren unsere zweier Abordnung der Piratten zwischen einem allein reisenden, ziemlich ruhigen Köln-Fan und drei weiteren Kölnern, die gut ausgerüstet mit Kölschfäßchen und Kölschgläsern einen 4er belegen. Ungefähr bis Osnabrück oder Bremen beschäftigen die Kölner sich friedlich mit sich selber, spielen Karten und trinken ihr bierhaltiges Erfrischungsgetränk. Als sich dann jedoch eine Reisegruppe höheren Alters auf Musical-Tour neben die Kölner setzt und Sekt trinkend das Kartenspiel der Kölner kommentiert, beginnen diese mit der Außenwelt zu kommunizieren. Als dann noch das Fäßchen vollständig geleert ist und die Kölner auf echtes Bier umsteigen müssen, erliegen sie ihren Phantasien und beginnen diese mit uns zu teilen. Sie sind sich sicher zu siegen. Das sei schließlich kein Problem gegen eine Mannschaft, die unverzüglich wieder absteigen wird. Unser Hinweis, dass der FC St. Pauli nach Spieltag 19 erstmalig auf einem Relegationsplatz stehe und auch zuvor nicht auf einem Abstiegsplatz gestanden habe, ganz im Gegensatz zum 1. FC Köln. Dies verhallte jedoch ungehört in den Ausführungen der Kölner, dass alles unter einem 4-0 Auswärtssieg als Enttäuschung zu werten sei. Unter den gebetsmühlenartig wiederholten Siegeserwartungen der Kölner liefen wir dann im Hamburger Hauptbahnhof ein.
Dort schnell ein Schließlich gesucht und dann eine befreundete Kölnerin getroffen, die auf die Ankunft des Sonderzugs wartete. Diesen hatten wir irgendwo im Nirgendwo kurz vor oder hinter Harburg überholt. Nach kurzer gemeinsamer Essensaufnahme verabschiedeten wir uns in Richtung Reisezentrum um dort in Erfahrung zu bringen ob Castrop-Rauxel die City-Option der BahnCard anbietet (tut es nicht). Nachdem de Mitarbeiterin der Bahn in ihrer Liste alle Städte mit ‘C’ nachgeschlagen hatte, die eine solche Option anbieten, merkten wir an, dass ja Castrop-Rauxel zum Kreis Recklinghausen gehört und eventuell die Recklinghäuser CityOption auch für Castrop gelte. Hier wirkte die Mitarbeiterin leicht verzweifelt, schlug aber auch Recklinghausen in ihrer Liste nach. Der Vollständigkeit halber hier noch das Ergebnis: Recklinghausen bietet Inhabern der BahnCard eine City-Option an, diese gilt jedoch ausschließlich für das Recklinghäuser Stadtgebiet.
Begleitet wurde dieses längere Gespräch von gedämpften Donnerschlägen. Als wir aus dem Servicecenter traten, stand Nebel im Bahnhof und im Hintergrund tönten Martinshörner: Der Sonderzug war angekommen.
Wir machten uns auf den Weg zum Millerntor, dort noch gähnende Leere. Am Clubheim jetzt Schilder, dass die Toiletten zahlenden Gästen vorbehalten sind. Da wir ja immerhin in Form unserer Mitgliedsbeiträge monatlich Geld an unseren Club zahlen, nutzen wir – rebellisch wie eh und je – Toiletten im Clubheim und kaufen unser Bier dann am AFM Container.
Nach der üblichen rumtelefoniererei und einer Runde Bier, machen wir uns auf den Weg ins Stadion. Wir verteilen uns auf unsere Tribünen – insgesamt verteilen sich während des Spiels dann drei PirattInnen auf drei Tribünen – und teilen den Kölner Spielern bei ihrem ersten Spaziergang auf unserem Rasen freundlich, aber bestimmt mit, dass niemand in unserem schönen Stadion siegt (außer uns natürlich).
Die Kölner stimmen ‘Scheiß Sankt Pauli’-Rufe an, Applaus aus der Nordkurve ist die Folge. Hiermit sind die Rheinländer sichtlich überfordert. Wohl in der Hoffnung, es habe sich lediglich um ein Mißverständnis gehandelt, versuchen sie es noch einmal. Erneuter Applaus lässt die ratlosen Kölner erstmal verstummen.
Auch wenn ich ein Befürwörter des Abspielens der gegnerischen Hymnen bin, sind manche doch eine Belastung für Geist und Körper. Die Hymne vom FC Köln gehört eindeutig in diese Kategorie. Aber Hymne ist auch gleich nahendem Spielbeginn, die Aufregung steigt. Drei Punkte gegen den direkten Konkurrenten wären so wichtig. Mit einem Sieg könnten wir den Relegtionsplatz wieder hinter uns lassen.
Frühe Chancen für uns, jedoch keine Tore. Wir sind besser, aber was nützt das wenn wir keine Buden machen und die Kölner dann einen blöden Freistoß verwandeln? Dann auf einmal, Tor. Takyi. Noch während Song 2 läuft, kommt eine SMS der Daheimgebliebenen mit den drei Worten ‘Tor des Monats’. Führung ist gut, aber 1-0 ist zu knapp für meine Nerven. Jetzt das 2-0 vor der Pause. Dann wär alles gut, oder zumindest besser. Der Aberglaube hat uns fest im Griff, wir sind bemüht nichts falsch zu machen. Auf keinen Fall zu früh freuen. Das geht immer schief. Entgegen unserer sonstigen Gepflogenheiten, wechseln keine SMS zwischen den Tribünen das Handy. Dann das 2-0. Yeah! Aber, ich hatte auch damals in Aachen, bei der Einweihung des neuen Tivoli nach unserem vierten Tor noch Angst. Von der Gegengerade trifft eine Kurzmitteilung ein: „Ich sag noch nichts“. Man soll das Schicksal nicht herausfordern und heute zahlt sich unsere Zurückhaltung aus. Wie sagte der Kölner im Zug? Alles unter einem drei zu null Sieg sei eine Enttäuschung? Wir sind jedenfalls nicht enttäuscht, sondern sehr sehr glücklich. Nach kurzem Zwischenstopp im Fanladen machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Dort verabschieden wir uns mit den Worten „Wir sehen uns gleich in Castrop“ um uns dann auf zwei verschiedene Züge gen Ruhrgebiet aufzuteilen. Trotz Verspätung und Essensbeschaffungsproblemen vor Ort, lassen wir den Abend dann gemeinsam mit den zuhause verbliebenen ausklingen. Und zur Feier des Tages teilen sich sogar die neuerdings eher enthaltsam lebenden Piratten ein Astra.
Dieser Tag gehört eindeutig in die Kategorie, der Tage die nie zu Ende gehen sollten!

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