Reisebericht München (Spieltag 16)

13.12.2010



Eine Auswärtsfahrt ins ferne München ist ja eher eine Reise – vor allem wenn man auch noch über Nacht bleibt – und Reisen nach Bayern fühlen sich ja schon fast wie Ausland und damit irgendwie wie Europaleague an und eine solche Erfahrung hat einen Reisebericht verdient. Über das Spiel möchte die Autorin dieser Zeilen eigentlich sowieso gar nicht sprechen und so ein Reisebericht mit Empfehlungen birgt wenigstens einen praktischen Nutzen in sich.


Anreise:
Mit dem ICE dauert die Fahrt von Dortmund aus 5,5 Stunden und man ist von Anfang bis Ende dabei. Entscheidet man sich für einen Zug zu sehr früher Stunde, kann man sehr viel Geld sparen (Kosten: 21€ pro Person), allerdings korreliert das Schlafdefizit mit der Höhe des gesparten Geldbetrags. Schlafsack, Kopfkissen und mp3-Player können helfen dieses Schlafdefizit noch während der Fahrt auszugleichen. Effektiver als unsere Hilfsmittel erwies sich jedoch ein ordentlicher Alkoholpegel. Während wir uns gemütlich (und nüchtern) in unseren Sitzen räkelten und versuchten zu schlafen, setzte sich ein anderer, mit Fahne und Bierflasche in Bochum zugestiegener Sankt Paulianer auf die andere Gangseite und schlief, Bierflasche fest im Griff, bis kurz vor München durch.
Fazit:

  • Man muss für die Zukunft nochmal aufs Neue zwischen den negativen Folgen von Alkohol (möglicher Kater) und den positiven Folgen (Schlafen im Zug wird einfacher) abwägen
  • Nur 30 Minuten Verspätung und der Preis für die Fahrt war unschlagbar



Übernachtung in München:
Wir haben uns für ein 3er Zimmer in einem Hostel in der Mozartstraße, Nähe U-Bahn Haltestelle Goetheplatz entschieden. Gute Wahl. Zimmer gut, Betten gut, Preis angemessen, alles gut. Blöd nur, dass in der Nacht Probleme mit der Warmwasserbereitung auftraten. Glück hatte, wer Samstag Abend noch schnell geduscht hat.
Fazit:

  • Empfehlenswert



Frühstück in München:
Zwei Tage, zwei verschiedene Cafes. Nicht empfehlenswert ist das Cafe an der Rückseite des Bahnhofs, in der zweiten Etage eines Dönerladens. Man hätte es ahnen können, aber wir hatten Hunger, weswegen nach Blick in die Karte ein Teil auch von Frühstück auf Pizza umschwenkte. Spätestens als die Bedienung zurück kam um uns mitzuteilen, dass die Margherita gerade aus sei, hätten wir umdisponieren sollen, aber, wie bereits erwähnt, hatten wir Hunger.
Fazit:
Völlig überteuerte Tiefkühlpizzen und ein nicht gerade üppiges Frühstück. Wenigstens der Kaffee war okay. Auf keinen Fall zu empfehlen.

Am zweiten Tag fanden wir nach einigem Suchen rund um den Marienplatz das Café Rischart . Hier können wir nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Große Auswahl, unglaublich leckeres Frühstück und das auch noch ziemlich günstig.



Rumfahren in München:
Tagestickets lohnen sich, auch wenn wir immer noch nicht wissen warum das eine 9,40€ und da andere 9,80€ gekostet hat. Ist aber auch egal. Wir sind im plus, Enno hat das nachgehalten.
Nachtrag: Man lernt ja nie aus. Auch die MVG hat den Fahrplan geändert und gleichzeitig die Fahrpreise erhöht.



Fußball in München:
Beschwerlicher Weg zur Arena und dann in der Arena zum Oberrang. Nichts für Leute mit schlechter Kondition und/ oder körperlichen Gebrechen. Extra Schlangen für Frauen vorm Einlaß sind ja immer doof, hier aber durften sich immerhin die Männer dort gemeinsam mit ihren Mitfahrerinnen anstellen und wurden dann von weiblichen Ordnern abgetastet. Die Kontrollen waren okay, Team Green (bzw. Team Blue) hielt sich im Hintergrund und wirkte relaxt. Nach diesen angenehmen Überraschungen und dem beschwerlichen Aufstieg in den Oberrang, konnten wir unsere Zaunfahne aufhängen. Auch hier keine Probleme mit den Ordnern. Probleme haben allerdings Menschen mit Höhenangst. Die Sicht ist gut, aber das Spielfeld ist sehr tief und weit weg. Pluspunkte gibt’s auch für die beheizten Toiletten. Kein Essen und Trinken mit in den Block nehmen zu dürfen, ist natürlich blöd, war uns aber egal, da wir in Stadien mit Bezahlkartensystemen sowieso kein Geld lassen. Unglaublich nervig ist die, auf den jeweiligen Torschützen abgestimmte, Musik nach Toren des Gastgebers. Da dieser ein ebenso alter wie langweiliger Dialog zwischen Stadionsprecher und Publikum vorangeht, reicht die Musik immer weit ins Spielgeschehen hinein.
Fazit:

  • Arena ist nicht wirklich empfehlenswert. Die Ordner sind allerdings angenehmer als in vielen anderen Stadien
  • Fernbleiben sollte man der Allianz-Arena (genau wie jedem anderen Stadion) auf jeden Fall, wenn dort Babak Rafati pfeifft



Abendessen in München:
Nach dem, aus unserer Sicht eher suboptimal verlaufenen, Fußballnachmittag wollten wir was leckeres Essen und dabei zumindest die zweite Halbzeit Borussia Dortmund – Werder Bremen genießen. Das Restaurant unserer Wahl, praktischerweise direkt neben dem Hostel gelegen, war leider überfüllt und bot außerdem keine Möglichkeit das Spiel zu sehen. Aus diesem Grund kehrten wir erstmal in einer Kneipe ein, wo wir bei Kaffee, heißer Schokolade und Bier den Sieg der Borussia verfolgten. Positiv anzumerken ist hier, dass es eine Leinwand gab, allerdings der Ton durch Musik ersetzt wurde. Meckern kann man über die Preise und das Bier-Angebot. Aus dem Ruhrgebiet bis nach München zu fahren um dort dann in der Kneipe Becks aus der Flasche serviert zu bekommen, ist enttäuschend.
Nach Abpfiff dann zurück zur Pizzeria, dort hatte sich die Lage entspannt und wir bekamen einen Tisch, gezapftes Bier und einen Traum von einer Pizza. Hätte uns die Pizza nicht völlig gesättigt, hätten wir uns liebend gern noch durch die Nachtischkarte gefuttert.
Der Laden heißt Sinans und ist uneingeschränkt zu empfehlen!



Die Straße trägt St. Pauli in der Blumenbar:
Ziemlich nette Idee, bot einen Anlauf- und Treffpunkt für alle in der Stadt weilenden Sankt Paulianer, außerdem fußläufig von unserem Hostel erreichen.
Kritik gibt’s trotzdem. Mitten in der Nacht ohne vorherige Ansage die ohnehin schon nicht allzu günstigen Bierpreise anzuheben, ist ziemlich scheiße. Ansonsten aber wirklich eine nette Idee.



Kultureller Teil am Sonntag:
Unbedingt zu empfehlen ist ein längeres Verweilen in fremden Städten. So kann man negative Fußballerfahrungen durch positive Erlebnisse zumindest teilweise kompensieren. Nachdem unser Samstagabend schon um einiges schöner war als der Nachmittag und auch das sonntägliche Frühstück (siehe oben) sehr gut war, beschlossen wir dem Deutschen Museum einen Besuch abzustatten. Auch hier können wir nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.
Wichtig ist es jedoch, im Vorfeld – also am Samstag Abend – auf altersgerechte Schlafenszeiten zu achten.



Abreise:
Wieder mit dem ICE. Wieder 5,5 Stunden Fahrtzeit. Zugbegleiter oder Lokführer sagte Ergebnisse der Sonntagsspiele durch (Daumen hoch dafür) und brachte danach seine Freude über den Schalker Sieg (die wir so nicht teilen konnten) zum Ausdruck, in dem er den ganzen Zug mit dem kurzen Einspielen von ‘Blau und weiß ein Leben lang’ beglückte. Aber lieber nen Schalker als ‘ne Zugcrew ohne Affinität zu Fußball.
Fazit:

  • Kumulierte Verspätung auf Hin- und Rückfahrt: 45 Minuten. Das ist im Rahmen und wir wollen nicht meckern.



Da der Einzug in die Europaleague über die Fairplay-Wertung auch zunehmend unrealistisch wird, müssen wir uns wohl erstmal mit Reisen ins gefühlte Ausland begnügen. Sind diese alle so wie unsere München-Tour, sind wir glücklich und bringen nächstes Mal wir auch 3 Punkte mit. Versprochen.

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