Fußballtag im Ruhrgebiet und am Niederrhein (Spieltag 5)

23.09.2010

Englische Woche in der ersten und zweiten Bundesliga. Fußball im Ruhrgebiet (und Umland) noch und nöcher. Der FCK spielt in Dortmund, die Arminia aus Bielefeld beim VfL Bochum, der MSV Duisburg empfängt den FC Augsburg und der FC St. Pauli gastiert in Mönchengladbach.
Beim Treffen um 16 Uhr am Dortmunder Hbf werden vereinzelte Borussen (die aus Dortmund) gesichtet, im Zug dann VfL-Fans und Bielefelder, die uns gut 10 Minuten später in Bochum schon wieder verlassen. Hier sollte eigentlich ein weiterer Piratt zusteigen, der hat allerdings seinen Zug verpasst, lässt sich jetzt mit dem Auto nach Bochum bringen und verzweifelt an zu vielen roten Ampeln. Dafür steigt unverhofft ein weiterer Bekannter zu, der ebenfalls nach Gladbach will. Nach einigen Telefonaten vereinbaren wir, in Duisburg einen Zug später zu nehmen um auf unseren verlorenen Piratten, der mittlerweile in einem anderen RE von Bochum nach Duisburg sitzt, warten zu können. Sein Zug kommt planmäßig zwei Minuten vor der Abfahrt des Anschlusszuges an. Natürlich hat sein Zug Verspätung während der Anschluss schon am Gleis steht. Die ganze Reisegruppe steht in der Tür und hofft, dass der Nachzügler es irgendwie schafft. Trotz Anfeuerungsgesängen (“Auf gehts …, laufen und siegen, Du musst den Zug hier kriegen, weil wir Dich so lieben”), kommt es wie es kommen muss. Die Türen piepen und beginnen sich zu schließen, der Piratt ist nicht in Sicht. Die Reisegruppe springt im letzten Moment aus dem Zug, die Türen schließen sich endgültig und während der Nachzügler gerade die Treppe hochgerannt kommt, entdecken wir ein Mitglied der Reisegruppe im Zug. Dessen Türen lassen sich nun nicht mehr öffnen und er rollt langsam aus dem Bahnhof während ein verwirrter St. Paulianer fassungslos aus dem anfahrenden Zug auf den Rest seiner Reisegruppe starrt.
Wir vertreiben uns die Wartezeit auf den nächsten Zug indem wir uns erneut hinterm Bahnhof auf ein Bierchen und ein Kippchen mit befreundeten Lautern-Fans treffen. Am Duisburger Bahnhof laufen nicht nur Lauterer rum, sondern auch Borussen (sowohl die einen als auch die anderen) und natürlich St. Paulianer. Mittlerweile ist es 17:20h und die Anhänger der Zweitligisten schon in den jeweiligen Stadien.
Am Gleis schwierige Entscheidung. Ein Gleis weiter fährt ein Fußballsonderzug nach Mönchengladbach ein. Keiner der anwesenden Gladbach-Fans macht Anstalten diesen Zug zu nehmen, alle warten weiter auf den regulären RE. Der Sonderzug ist fast leer, unser Gleis voll. Wir sind unentschlossen. Gegen den Sonderzug spricht Murphy’s Law. Wir sind sicher, dass der Sonderzug abfährt sobald wir unser Gleis verlassen haben und wir dann nicht schnell genug zurück auf dem alten Gleis sind um den RE zu bekommen. Gerade haben wir uns doch für den Sonderzug und direkt wieder dagegen entschieden, als dieser abfährt. Während wir uns noch gegenseitig zu dieser weisen und richtigen Entscheidung beglückwünschen, ertönt eine Durchsage, welche uns davon in Kenntnis setzt, dass unser RE sich wegen eines Schadens an der Oberleitung um etwa zehn bis 15 Minuten verzögern wird. Zum Glück bleibt es auch bei den angekündigten zehn Minuten, wir können außerdem unsere Reisegruppe durch einen Mitreisenden eines befreundeten Fanclubs auffüllen, der gerade aus Bochum eingetroffen ist. Etwas später steigt dann auch der zuvor verlustig gegangen Mitreisende wieder zu. Wir überlegen kurz alle auszusteigen um nochmal sein Gesicht hinter der Scheibe eines abfahrenden Zuges sehen zu können, wollen aber nicht nochmal 20 Minuten auf irgendeinem Bahnsteig warten. Nach mittlerweile fast zwei stündigem Genuss alkoholischer Getränke, meldet sich die Blase. Das Zugklo ist leider unbenutzbar, so zieht sich die Fahrt nach Gladbach endlos hin. Nach Ankunft und kollektivem Wasserlassen, dann ab in den Shuttlebus zum Stadion.
Für eines dieser neuen modernen Stadien ist das in Gladbach noch ganz nett. Dezenter und kleiner (zumindest klein wirkender) VIP-Bereich und insgesamt ein recht rustikaler Charme.
Die erste Halbzeit war nicht so schön und endete mit einer eins zu null Führung der Borussia. Morena zeigte schon früh an, dass er ausgewechselt werden möchte, gewann aber trotzdem – und trotz deutlichem Größenunterschied – ein Kopfballduelle gegen Idrissou. Schlechtes Gefühl, weil auch Boll sich erst mehrfach an den Oberschenkel fasste und nicht mehr richtig rund lief. Überraschenderweise lief Boll jedoch nach der Halbzeitpause wieder auf, musste jedoch kurz später dann doch runter. Für ihn kam Bartels. Dann der Ausgleich durch den ebenfalls eingewechselten Asamoah, dann der Foulelfmeter und das 1-2 durch Florian Bruns. Knapp 20 Minuten noch zu spielen. Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit hat Bartels eine Riesenchance, schießt drüber. Als alle den Blick nach dem verzweifelten Hände vors Gesicht schlagen wieder aufs Spielfeld richten, liegt Bartels verletzt im Strafraum. Jeder der jedoch seine Aufmerksamkeit auf Bartels gelenkt hat, verpasst die Rudelbildung an der Mittellinie. Der Schiri sortiert das Rudel, Bartels wird vom Platz getragen, Idrissou bekommt seine zweite Gelbe und muss runter. Und dann hält Schiri Nummer 4 die Tafel mit der Nachspielzeit hoch: 4 Minuten! Wir brechen fast zusammen, aber der FC St. Pauli lässt sich den Sieg und die 3 Punkte nicht mehr nehmen.
Auf der Rückfahrt im Shuttlebus stimmen die Gladbacher irgendwann Gesänge gegen den FC St. Pauli an. Nachdem wir erst lauthals in das „Scheiß St. Pauli“ mit einstimmen um dann noch ein „Im Norden gibt’s nur ein’ Verein – Hansa Rostock – St. Pauli ist ein Scheißverein“ nachlegen und dann auf das “Wir singen, braun-weiß ist scheiße” lautstark entgegegnen “Wir lieben braun-weiße Scheiße”, verstummen die Gladbacher recht schnell wieder. Diesmal erwies sich die Entscheidung, nicht den bereitstehenden Sonderzug zu nehmen als richtig und die Heimreise verlief erschreckend reibungslos.

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.