Zuhause gegen Paderborn am 9. Mai (Spieltag 34)

14.05.2010

Nachdem sich gerade die Müdigkeit der ebenso schönen wie strapaziösen Auswärts- und Aufstiegsfahrt nach Fürth gelegt hatte, war schon wieder Sonntag und damit Spieltag. Also schon wieder Wecker stellen und zu unmenschlicher Zeit aus dem Bett quälen um mit der ersten Straßenbahn gen Bahnhof und von dort aus mit dem Wochenendticket nach Hamburg zu fahren.
Wenn für den fleißigen Fußballfan in der ersten Straßenbahn ein langer Tag beginnt, endet für viele zeitgleich der vorherige Abend. So war die Bahn auch gut gefüllt und der Verfasserin dieser Zeilen bot sich ein frühmorgendliches Unterhaltungsprogramm in Form einer Schlägerei in der U-Bahn. Direkt angekoppelt war dann auch der Frühsport, da die Bahn natürlich nicht mehr bis zum Bahnhof fuhr, sondern vorher endete. Irgendwie klappte dann aber doch alles und eine kleine Abordnung der Piratten fand sich müde am Dortmunder Hauptbahnhof ein und bestieg dort den Zug nach Minden. Dort Langeweile, bis zur Erkenntnis fast die Rostocker auf ihrer Reise in genau entgegengesetzter Richtung – auf ihrem Weg nach Düsseldorf – getroffen zu haben. Ankunft in Hamburg, ab zum Stadion, Anstehen für vorbestellte Karte. Stadion restlos ausverkauft, nirgendwo Karten zu bekommen. Ein Glück, dass wir alle versorgt sind. Im Stadion zeigte sich dann, dass sich auch bei unserem Lieblingsverein ein Haufen riesiger Arschlöcher rumtreibt. Schon beim Einlass berichtete eine fassungslose Ordnerin, sie habe soeben eine Dauerkarte abgeknipst auf welcher kein einziges der vorherigen 16 Heimspiele entwertet gewesen sei. Und das wo so gut wie jedes Heimspiel der vergangenen Saison ausverkauft war. Wofür gibt es denn eine Dauerkartentauschbörse? Auffällig auch die hohe Anzahl von Stadionbesuchern – um den Begriff ‘Fan’ an dieser Stelle zu vermeiden – mit jungfräulichen Schals. Sehr gut zu erkennen an ihrem blütenweißen Leuchten. Kein Schweiß, kein Dreck, kein Bier, kein Senf. Mag sein, dass ich einigen hiermit Unrecht tue und sich einfach einige Fans zum Aufstieg einen neuen Schal geleistet haben, aber es beschleicht einen durchaus das Gefühl, dass sich an diesem Tag im und rund ums Millerntor doch sehr viele Personen tummelten, die sich im bisherigen Saisonverlauf eher rar gemacht hatten auf den Rängen, um es diplomatisch auszudrücken. Im Block sprang einen dieses Gefühl dann eher mit aller Macht an als das es einen beschlich, als die Herren mittleren Alters, die es sich hinter uns bequem gemacht hatten und ‘ihre’ Stufe gegen alle Eindringlinge verteidigten, den Paderborner Trainer mit „Stani! Stani!“- Rufen begrüßten.
Auch der freundliche Hinweis darauf, dass man nur sehr ungern von einer Stufe heruntergeschubst, beziehungsweise gedrückt wird, zumal genau dort die Menge der Menschen pro Quadratmeter weit unter dem Tribünendurchschnitt lag, änderte nichts an den beständigen Versuchen der werten Herren die Stufe wieder komplett zurückzuerobern. Unter diesen Bedingungen starteten wir dann in das Spiel und wurden von hinten mit regelmäßigen Beschwerden über den verlorenen Boden beschallt. Da bot das regelmäßige Distanzieren der selben Leute von dem Rest des Stadions, welcher gerade Wir sind Zecken, asoziale Zecken intonierte fast eine willkommene Abwechselung.
Über das Spiel brauchen an dieser Stelle keine großen Worte verloren werden. Ein Sieg hätte zwar die neuerdings verliehene Schale für den Tabellenersten der zweiten Liga gesichert, da der FCK gegen Augsburg nicht über ein 1:1 herauskam, wie Fabian Boll jedoch später bemerkte, können wir die Schale auch nächste Saison noch holen. Nach der 1:2 Niederlage gegen den SC Paderborn, konnten unsere Jungs dann zeigen was sie wirklich drauf haben und vernaschten die Bundesliga-Allstars nach allen Regeln der Kunst. Liebevoll ausgedachte und umgesetzte Vorführung der Mannschaft für ihre Fans. Wunderschön das Doppelrot für Timo Jarolim Schultz und seine anschließende Meckerorgie. Spontane Tanzeinlage unseres Supertrainers nach der Bierdusche, alle Tore der Saison auf der Stadionleinwand musikalisch untermalt von David Hasselhoff. Alles wunderschön.
Nach dem Ende der Feierlichkeiten ab zum Fanladen, auf dem Weg der Versuch unsere Zaunfahne zurück zu organisieren. Die gute Nachricht: Sie ist in Sicherheit. Die schlechte Nachricht: Wie wohl bei allen haben die Aufstiegsfeierlichkeiten auch bei unserem Fahnenretter Spuren hinterlassen. Er hat die Zaunfahne zu Hause vergessen und eine sehr lange und sehr komplizierte Geschichte über die wideren Umstände, die ihn daran hindern uns mit unserer Zaunfahne zusammenzuführen, einigen wir uns auf eine Verschiebung der Übergabe bis zum Celtic-Spiel. Wir trennen uns von dem Mann, der die Fahne rettete und schauen noch kurz im Fanladen vorbei. Von dort geht’s auf zum Spielbudenplatz, dort kommen wir beinahe zeitgleich mit der Mannschaft an. Das Gedränge ist nicht so unsers, so verziehen wir uns in Lehmitz und trinken lieber noch ein Bier. Irgendwann fällen wir die Entscheidung wenigstens noch kurz im Jolly vorbeizuschauen. Einer von uns schaffte es – angeblich – bis zur Toilette. Die anderen beiden erstehen zu dieser Zeit die drei letzten Biere im benachbarten Kiosk. Nach uns schließt der Inhaber die Tür. Bier alle. Für uns ändert das nichts, wir müssen sowieso zum Bahnhof. Dort angekommen, fassen wir noch schnell Essen um dann festzustellen das unser Zug 30 Minuten Verspätung hat. Diese verkürzt sich dann doch auf 15 Minuten und im Ruhrgebiet kommt der Zug pünktlich an, was dazu führt, dass 2/3 der Truppe fast ihren Ausstieg verpennt hätten.
Fazit: Angenehmste Rückfahrt seit langem, ansonsten teilweise recht nervig.

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